Neuer Vikar in Bad Berleburg

Bis Februar ist Patrick Bloy erstmal ausschließlich im Johannes-Althusius-Gymnasium tätig.

Zwei Schlaglichter auf den Religionsunterricht, den Patrick Bloy an der Christlichen Schule im ostwestfälischen Versmold besuchte. Zum einen: Als konfessionsloser Schüler sei er der Einzige in der Klasse gewesen, der das Vaterunser nicht lernen musste. Gleichzeitig sei er der Einzige gewesen, der es tatsächlich gelernt habe. Zum anderen: Der Religions-Lehrer habe im Unterricht ein anschauliches Bild davon gezeichnet, wie anstrengend der Pfarrer-Beruf sei: ein Leben lang für die Kirche arbeiten, immer zwischen Depression und Überforderung. Da habe er gedacht, so erinnert sich Patrick Bloy heute: Pfarrer - das sei doch eine gute Beschäftigung für ihn.

Inzwischen ist er ganz dicht dran an diesem Ziel. Nachdem er sein erstes theologisches Examen erfolgreich abgelegt hat, absolviert er seit 1. Oktober sein Vikariat im Wittgensteiner Kirchenkreis. Genauer gesagt: in Bad Berleburg.

Zweieinhalb Jahre lang wendet er nun in der Praxis das an, was er in der Theorie des Theologie-Studiums gelernt hat. Bis Februar ist Patrick Bloy erstmal ausschließlich im Johannes-Althusius-Gymnasium tätig. Hier ist Henning Debus sein Schul-Mentor. Nachdem er in den ersten Wochen mit dem ehemaligen Gemeindepfarrer im Reli-Unterricht unterwegs war und in anderen Fächern wie Informatik, Geschichte und Politik sich nochmal bewusster die Wissens-Vermittlung angeschaut hat, unterrichtet er nach den Ferien selbst sechs Wochenstunden Religion und begleitet bei ebenso vielen Stunden Henning Debus.

Ab Februar hält er wöchentlich nur noch zwei Religionsstunden, weil er dann hauptsächlich in der Berleburger Kirchengemeinde unterwegs sein wird. Hier ist die Berleburger Gemeindepfarrerin Claudia Latzel-Binder seine Mentorin.

Mit 37 Jahren ist Patrick Bloy für einen Vikar ziemlich alt. Aber der Weg in diesen Dienst war nicht so gerade, wie man das für jemanden vermuten könnte, der schon als Sechstklässler den Pfarrer-Beruf als Berufung erkannt hatte. Häufige Wohnort-Wechsel machten die Dinge komplizierter, prinzipiell sei er ohne große Kirchenbindung aufgewachsen. Seine erste Erinnerung sei eine Kinderbibel der Zeugen Jehovas aus der Verwandtschaft, aber deren Glaubenskonzept habe ihm nicht eingeleuchtet.

Später begann der große Computer-Fan die Bibel zu lesen, wollte sie verstehen, stieß an Grenzen, musste immer wieder selbst nachdenken und andere Menschen fragen. Das brachte ihn zu einem Pfarrer mit Informationstechnik-Schwierigkeiten, beim Computer-Reparieren kamen sie ernsthaft ins Gespräch: „Ich löste sein IT-Problem, er mein Glaubensproblem“ - so prägnant bringt Patrick Bloy die Situation heute auf den Punkt. Das Ergebnis: Zu Pfingsten 1999 ließ sich der 19-Jährige taufen.

Doch auch von da an ging es nicht schnurstracks zum Theologie-Studium. Zunächst startete Patrick Bloy eine Ausbildung im Computer- und Informationstechnik-Bereich. Auch bei der Rheinischen Landeskirche arbeitete er im IT-Bereich. Sein Theologie-Studium absolvierte er in Bethel, Wuppertal und Bochum. Nebenbei habe er sich in Computer-Fragen unter anderem ums Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes, einen Chorverband und eine Polizeiseelsorge-Internet-Seite gekümmert.

Immer wieder geht es bei ihm um Computer - auch die ungezählten schwarz-weißen Stofftiere mit gelbem Schnabel in der frisch bezogenen Wohnung in Bad Berleburg haben damit zu tun: Schließlich sind Pinguine die Maskottchen des Linux-Betriebssystems.

Ansonsten stehen neben Theologie-Büchern viele Fantasy-Romane - vornweg Werke von Terry Pratchett - in den Regalen von Patrick Bloy. Das Fotografieren von Landschaften ist ein weiteres Hobby des 37-Jährigen. Da ist der Herbst in Wittgenstein natürlich ein perfekter Arbeitsbeginn.Während seine Mitstudierenden gedacht hätten, das Vikariat in Wittgenstein sei eine Strafversetzung gewesen, ist es Patrick Bloy wichtig, dass er sich ganz bewusst für den kleinsten Kirchenkreis in Westfalen entschieden habe.

Er habe gern aufs Land gewollt und sei gespannt auf die ihm eher unbekannte reformierte Prägung in Wittgenstein, denn die lutherische Färbung kenne er ja bereits gut. Außerdem konnte sich der Vikar ein wenig auf Wittgenstein einstellen, denn seine Verlobte Rebecca Bohle stammt aus dem benachbarten Sauerland. Auch sie studiert Theologie und wird ihr erstes Examen ungefähr dann ablegen, wenn Patrick Bloy sein Vikariat beendet. In zweieinhalb Jahren will sich Patrick Bloy nun in Wittgenstein - und mit Ausbildungseinheiten außerhalb des Kirchenkreises - auf das zweite theologische Examen und generell für den späteren Beruf vorbereiten.

 

 

Vom Balkon ihrer Wohnung können Rebecca Bohle und der neue Berleburger Vikar Patrick Bloy - wenn sie die richtige Blickrichtung einnehmen - direkt auf die Stadtkirche schauen.

Außerdem hat er sich noch Zweierlei vorgenommen: den Führerschein machen und Singen lernen. Für das Zweite will er jetzt mit seiner Verlobten regelmäßig freitagabends zur Probe des Kleinen Chores zum Lobe Gottes ins Berleburger Christus-Haus gehen.

Verstärkung für die Männerstimmen im Kleinen Chor zum Lobe Gottes der Berleburger Kirchengemeinde: Dort singt jetzt auch Vikar Patrick Bloy (Fünfter von rechts) mit.