Pfarrer Horst Spillmann

Christus - oder nix!

Das nenne ich mal eine Überzeugung: Da wurde der Trainer von Bayern München im Jahr 2013 von den Clubverantwortlichen gefragt, welchen Spieler er noch benötige. Antwort des Trainers: „Thiago oder nix.“ Thiago, gemeint war der spanische Jugendfußballnationalspieler mit herausragendem Talent; der allein sollte es sein, der sei eine echte Verstärkung für die Mannschaft. Wann haben wir das zum letzten Mal gesagt: „Nur das will ich, sonst nichts!“? Vielleicht beim Partner: „Nur der oder die soll es sein!“ Vielleicht bei der Auswahl der Arbeitsstelle, beim Autokauf, beim Schuhkauf, obwohl: Die Wahlmöglichkeiten sind mitunter schier unerschöpflich… Und warum sich überhaupt festlegen? Es wird uns doch leicht gemacht im Unverbindlichen zu bleiben: Wir bestellen über das Internet und wenn uns die Ware nicht gefällt, wird sie innerhalb von 14 Tage meistens noch kostenlos retourniert und man hält nach Neuem Ausschau. Na ja, und wenn bei Facebook jemand mehr als 100 sogenannte Freunde vorweisen kann, dann wäre es interessant zu wissen, ob er auch tatsächlich einen einzigen wirklichen Freund darunter hat. Aber man kann ja auch Freunde löschen… So prägen fast grenzenlose Auswahl und Unverbindlichkeit mehr und mehr unser Leben. Und schauen wir in die Welt hinein, wie da um unsere Aufmerksamkeit gebuhlt wird und wir darüber regelrecht in einen Entscheidungsstau geraten, wem wir unsere kostbare Zeit, unser Geld, unsere Kraft zukommen lassen sollen. Wer ist es wert, dass wir uns ihm geben? Ohne Umschweife gibt die Bibel durchgängig die eine Antwort: Allein Gott ist es wert, dass wir ihm unser Leben zur Verfügung stellen. Dabei weist Gott zugleich von sich weg hin auf seinen Sohn Jesus Christus: „Das ist mein lieber Sohn; den ihr hören sollt.“ (Mark. 9,7) Also: Christus oder nix! So formuliert es auch die Barmer Theologische Erklärung von 1934: „Jesus Christus… ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“ Es tut Not, dass wir dies auch in unserer Kirche immer wieder neu hören, um uns nicht im Kulturprotestantismus zu ergehen, wo die Gefahr besteht, dass allerlei schöne Angebote und bunter Aktionismus den eigentlichen Inhalt unseres Glaubens zu verdecken drohen oder wo wir uns hinter wohlgesetzten Lehrsätzen mit einem ermatteten Glauben verstecken. Ja, Christus muss in unser Leben. Da fragte ein Mann seinen Freund, für den Jesus eines Tages zum Mittelpunkt und Maßstab seines Lebens geworden war: „Wenn du also nun mit Jesus leben willst, dann musst du ja auch gut über ihn Bescheid wissen. Sag mir: In welchem Land wurde er geboren?“

„Das weiß ich nicht.“

„Wie alt war er, als er starb?“

„Das weiß ich nicht.“

„Wie viele Predigten hat er gehalten?“

„Das weiß ich nicht.“

„Na, du weißt aber wirklich sehr wenig für jemanden, der behauptet sein Leben mit Christus zu leben!“

„Du hast recht. Ich schäme mich, so wenig von ihm zu wissen. Aber so viel weiß ich: Noch vor drei Jahren war ich ein Trinker. Ich hatte Schulden. Meine Familie brach auseinander. Meine Frau und meine Kinder fürchteten sich jeden Abend vor meiner Heimkehr. Aber jetzt habe ich das Trinken aufgegeben, wir haben keine Schulden mehr, wir sind eine glückliche Familie. Das alles hat Christus für mich getan. Soviel weiß ich von Christus!“ (nach A. de Mello) Das ist das herzliche Vertrauen zu Gott, das Rechnen mit ihm im Leben, im Gegensatz zu einem bloßen Für-wahr-Halten irgendwelcher Glaubensaussagen. In welchen Bereichen unseres Lebens ist Christus für uns die einzige verheißungsvolle Alternative, sodass wir uns zu dem Bekenntnis durchringen: „Hier, Herr Jesus Christus, hast Du mein deprimierendes, verfahrenes Leben, hier hast Du meine Probleme und Ängste, ich kann nicht mehr!“? Oder noch anspruchsvoller: „Hier hast Du mein glanzvolles Leben, meinen Erfolg, meine Karriere, führe mich zu dem, was wirklich zählt und vor Dir Bestand hat.“ Christus allein hat die Macht unser Leben umfassend heil, ja, ewigkeitstauglich zu machen. Dazu ist er gekommen. Deshalb: Christus oder nix.

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