Café International eröffnet

Vor der Tür regnet es Bindfäden, die Temperaturen könnten selbst im Wittgensteiner Mai höher sein. Ganz anders, viel wärmer ist das Klima im Café International, das Mittwochnachmittag erstmals im Gemeinderaum gegenüber der Evangelischen Stadtkirche in Bad Berleburg seine Pforten öffnete. Hier sitzen in einer bunten Reihe Menschen aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt, deren Lebenswege sich gerade in Wittgenstein kreuzen. Leute, die schon immer Wittgensteiner sind, Deutsche aus anderen Teilen des Landes, die Wittgenstein längst zu ihrer Heimat gemacht haben, aber auch Flüchtlinge, die aus welchen Gründen auch immer ihre Heimat verlassen mussten, um eine bessere Zukunft zu finden, um voller Hoffnung und Tatkraft das Beste aus ihrem Leben zu machen. Doch das ist nicht so einfach: Asylbewerber sind zunächst zum Nichtstun verurteilt. Um ihre Lebens-Chancen hier zu nutzen, ist es wichtig, dass sie die deutsche Sprache erlernen. Und in Zeiten, da in jeder deutschen Zukunfts-Diskussion spätestens nach drei Minuten der Begriff „Demographischer Wandel“ fällt, tun wir uns selbst einen Gefallen, wenn wir diese Menschen in unserer Mitte willkommen heißen. Die Evangelische Kirchengemeinde Bad Berleburg als Betreiberin des örtlichen Cafés International erläutert dieses so: „Es versucht, die Lebenssituation von Migrantinnen und Migranten zu verbessern und eine Willkommenskultur der Kirche exemplarisch zu gestalten.“

Der Anfang rund um die Kaffee-Tafel mit Plätzchen in der Mitte ist ein bisschen steif. An diesem ersten Nachmittag haben die Berleburger Presbyterin Inge-Marie Kolbe, Christa Meder und Barbara Lenz-Irlenkäuser das Café International vorbereitet. In dem evangelischen Gemeinderaum, in dem alle Konfessionen und Religionen willkommen sind, wird Deutsch und Englisch gesprochen. Neben den drei genannten Frauen sind weitere Presbyter und auch Berleburgs Pfarrerin Claudia Latzel-Binder da.
Dazwischen das Mädchen Sanaz aus Afghanistan mit seinen Eltern, der Iraner Hossein und die beiden Ghanaer Baffour und Frank. Hossein und die afghanische Familie sprechen Farsi, wenn in den Unterhaltungen mal etwas unklar bleibt, dann können die Vier auf Persisch überlegen, was ihnen die Deutschen wohl sagen wollen.
Ganz nebenbei werden dann Spiele ausgepackt, das namens-stiftende „Café International“ bleibt erstmal links liegen.
Inge-Marie Kolbe und Christa Meder sitzen mit Sanaz und deren Eltern um das Mensch-ärger‘-dich-nicht-Spielbrett und schmeißen einander fröhlich raus.



Georg Bender und Hossein brüten über ihrer Schach-Partie und dem Berleburger Presbyter wird schnell klar, dass der junge Iraner wohl ein wenig untertrieben hat, als er sagte, er könne das Spiel ein bisschen.

Am lautesten geht es bei Baffour, Frank, Claudia Latzel-Binder, Barbara Lenz-Irlenkäuser und Presbyter Hans-Werner Christ zu, sie stapeln hoch beim Jenga-Spiel und haben viel Spaß dabei.

Und gerade der genauere Blick auf die drei Spiele zeigt noch einmal ganz neu, wie diese unsere eine Welt miteinander verbunden ist. Jenga hat eine Engländerin erfunden, die in Tansania geboren wurde, auf Suaheli bedeutet Jenga: bauen. Das königliche Spiel heißt Schach, weil König auf Persisch Schah heißt. Mensch-ärger‘-dich-nicht, gefühlt eines der deutschesten Spiel überhaupt, ist eine Abwandlung des indischen Spiels „Pachisi“. Spiele verbinden die Menschen rund um den Globus und an diesem Nachmittag ganz speziell im Gemeinderaum. Ganz nebenbei sprechen die Menschen miteinander, mit Worten, mit Händen, mit Füßen. Und - was vielleicht noch wichtiger ist: Sie lachen aus tiefstem Herzen und ganz entspannt miteinander. Als Christen und Muslime, mit und ohne Kopftuch. Viel zu schnell vergehen die zwei Stunden, ein anwesender Journalist tauscht noch die Telefonnummer mit Hossein, die beiden wollen miteinander Tennis spielen. Hosseins schüchterne Andeutung, dass er natürlich keinen Tennisschläger habe, wischt der Deutsche im Handumdrehen fort. Das sei ja nun wirklich kein Problem. Und auch vor der Tür - außerhalb des Cafés International -  ist es nach zwei Stunden auf einmal wärmer, und außerdem regnet es auch nicht mehr.
Das nächste Café International findet am kommenden Mittwoch zwischen 16 und 18 Uhr im Gemeinderaum gegenüber der Stadtkirche an der Berleburger Schloßstraße 18b statt. Alle Interessierten - ob schon länger Wittgensteiner oder erst ganz neu - sind herzlich willkommen.

Ganz nebenbei kommt man beim Spielen ins Gespräch, Sprachbarrieren spielen auf einmal keine Rolle mehr. Auch im Café International gegenüber von der Berleburger Stadtkirche. Das nächste Mal am kommenden Mittwoch von 16 bis 18 Uhr.