An-Gedacht zum Wochenende

Pfarrer Frank Schröder
Pfarrer Frank Schröder

Bist du noch ganz sauber?!!

"Das sagt man, wenn man die Tat eines Anderen völlig unverständlich findet" – so hat mir ein Konfirmand heute diesen Satz erklärt. Zum Buß und Bettag in dieser Woche fällt mir aber auf, dass man den Ausruf auch nochmal ganz anders verstehen kann. Ich denke an eine praktisch veranlagte Mutter, die ihren Jungen, der total verdreckt und zugeschmiert vom Spielen zurückkommt, gar nicht ganz ins Haus läßt. Sofort im Eingang werden die dreckigen Sachen ausgezogen und mit spitzen Fingern zur Waschmaschine getragen. Der Junge wird direkt ins Bad geschickt mit der dringenden Bitte: unterwegs bloß nichts anfassen!
  In der Bibel gibt es eine Geschichte von Mose, der in der Wüste eine Gotteserscheinung sieht - den brennenden Dornbusch. Er geht einige Schritte auf diesen Busch zu, hört dann aber die Stimme GOTTES: "tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von den Füßen". Mose sollte sich bewusst machen, dass er vor dem heiligen Gott steht. Gott ist der Heilige, der Reine, der Unfehlbare! Und wer bin ich? Wie ist meine Beziehung zu Gott - ist die „im Reinen"?
  Jeden Morgen gehen wir ins Bad, putzen die Zähne, steigen in die Dusche. Aber wie oft reinige ich mein Gewissen, meine Seele, meine Verbindung mit Gott? So, wie ich bin, komme ich erstmal 'nicht durch'. Da klebt an mir der Schmutz des Alltags, die dreckigen Gedanken, die nicht ganz saubere Art, wie ich mit meinen Mitmenschen umgehe, wie ich versuche, etwas „zurechtzubiegen", was mal wieder falschgelaufen ist. Ich bin nicht sauber, nicht rein, nicht heilig, obwohl Gott das von mir möchte.
Ich habe zwei Möglichkeiten:
  Entweder ich nehme schnell das „Gute-Gewissen-Deo", decke alles mit Wohlgeruch zu, verorte die Ursache für meine Schuld woanders. Dann ist nach außen jedenfalls die gute Fassade gewahrt. Eine kurze Zeit gelingt es mir deshalb sogar, mir auch selbst vorzumachen, dass alles gut und mein Leben (und meine Gottesbeziehung) so in Ordnung ist.
  Oder ich lasse mich auf Gott ein und lasse mich neu von Jesus „reinigen" und mache mir bewusst, was er für mich getan hat: Er ist für unseren Schmutz ans Kreuz gegangen, er hat sich ganz tief hinab gebeugt. Er ist sich nicht zu schade gewesen, die Sklavenarbeit für seine Freunde zu machen und ihnen die schmutzigen Füße zu waschen.
  Wir müssen das allerdings auch zulassen, und uns von Jesus reinigen lassen. Das ist durch das Großreinemachen auf Golgatha ein für alle Mal geschehn. Dadurch können wir rein sein, dadurch können wir heilig sein, dadurch können wir zu Gott kommen. Wir können, im Bild gesprochen, hinein zu ihm. Wir können vor ihn treten wie Mose und die Verbindung zu ihm wird wieder intakt. Immer wieder dürfen wir unsern Alltagschmutz bei JESUS abgeben. Wir dürfen es ihm bekennen, wo es bei uns 'stinkt'.
  Das ist keine ganz leichte Sache. Wir brauchen das Eingeständnis unserer Fehler und unserer Sünde dafür, und da steht unser Stolz dagegen. Die Buß-  und Bettags - Gottesdienste der kommenden Woche sollen dazu eine Gelegenheit und eine Hilfe sein. Damit der Neuanfang als GOTTES wunderbare Möglichkeit bei uns Wirklichkeit wird. Wir können sie beanspruchen, indem wir von seiner Vergebung uns zurecht bringen und trösten lassen. Und wir wollen ihn im Gottesdienst dafür loben!