Bericht aus der Siegener Zeitung vom 03.Juni 2013

Weidt sagte natürlich musikalisch „Tschüss“

Kirchenkreis verabschiedete den Kreiskantor nach 35 Arbeitsjahren

akm Bad Berleburg. Mit einem Festgottesdienst wurde Kreiskantor Hartmut Weidt am Sonntag in der evangelischen Kirche in Bad Berleburg nach 35 Arbeitsjahren in den Ruhestand verabschiedet. Damit ging eine Ära zu Ende. Am 1. Juni 1978 hatte der damals 30-jährige Siegerländer seine Arbeit als hauptberuflicher Kirchenmusiker im Kirchenkreis Wittgenstein aufgenommen und so den Grundstein für dreieinhalb Jahrzehnte Wittgenstein’sche Kirchenmusik höchster Qualität und Klasse gelegt.

Als geborenes Mitglied des kirchenmusikalischen Ausschusses vertrat er in dieser Zeit nicht nur die kirchenmusikalischen Anliegen; Er förderte auch ganz praktisch das kirchenmusikalische Leben in den Gemeinden, indem er Organisten ausbildete oder Kirchenchöre unter seine Fittiche nahm. Nun hieß es für alle Beteiligten „Tschüss und Danke“ sagen. Selbstredend stand bei seinem letzten offiziellen Auftritt sein Lebensinhalt, die Musica Sacra, im Fokus. Der Festgottesdienst verdeutlichte allen Anwesenden noch einmal, was Hartmut Weidts Arbeit über all die Jahre ausgezeichnet hatte: grenzenlose Leidenschaft für die Musik, aber, oder vielleicht gerade deshalb, auch scheinbar unerschöpfliche Akribie.

Denn obwohl die durch und durch klangreiche Veranstaltung eigentlich ein Dankeschön an Hartmut Weidt sein sollte, hatte der es sich nicht nehmen lassen, auch hier noch einmal selbst Hand anzulegen. Mit großer Sorgfalt hatte der scheidende Kreiskantor alle Lieder passend auf das Sonntagsgleichnis „Vom reichen Mann und armen Lazarus“ aus dem Lukas-Evangelium und ergänzend zur Predigt von Claudia Latzel-Binder ausgewählt. Die Stücke wurden von Weidts Chören aus Eslohe, Berghausen/Feudingen und Bad Berleburg interpretiert.

Dass der inzwischen 65-Jährige an diesem Tag auch noch die Orgel selbst spielte, überraschte nicht, hatte Hartmut Weidt doch bereits vor seiner Tätigkeit als Kreiskantor nebenberuflich als Organist in Wittgensteins Kirchengemeinden gewirkt. Für den Neu-Pensionär ging mit dem selbst gestalteten Verabschiedungsgottesdienst allerdings ein kleiner Traum in Erfüllung, verriet StefanBerk: „Genauso hat er es sich gewünscht. Hartmut war schon immer jemand, der nicht einfach nur Lieder herunter spielte, sondern sich mit einbringen und mitgestalten wollte, um die Kirchenmusik wirklich zu dem zu machen, was sie eigentlich ist - ein Teil der Religion und kein schmückendes Beiwerk.“ Am Ende musste bzw. durfte sich Hartmut Weidt dann aber doch zurücklehnen und einfach nur zuhören. Enge Freunde und langjährige Wegbegleiter lobten in Grußworten sein unermüdliches Engagement und brachten ihren Dank in Form von Geschenken zum Ausdruck.

Stefan Berk und Claudia Latzel-Binder überreichten einen Faulbaum. „Weil du jetzt frei bist von allen Verpflichtungen und auch mal faul sein darfst“, erklärten sie. Auf die faule Haut legen will sich Hartmut Weidt aber nicht. Die neu gewonnene Zeit ist schon verplant. Für die Familie, aber auch für andere Hobbys wie etwa das Lesen. „Ich freue mich so sehr darauf, noch mehr von den Dingen zu erfahren, die mich interessieren und meinen Horizont zu erweitern“, sagte Weidt.

Darüber hinaus wird er dem Kirchenkreis und der Musik weiterhin die Treue halten. Die von ihm geleiteten Chöre will er weiter betreuen und auch die Orgel wird ihn nicht zum letzten Mal gesehen haben. Deshalb sei der Abschied nicht schwer gefallen. „Ich bin ja immer noch dabei, wenn auch nicht mehr hauptberuflich“, strahlte Hartmut Weidt. Wie es künftig mit der hauptberuflichen Kirchenmusik in Wittgenstein und den drei Hochsauerland-Gemeinden weitergeht, sei noch völlig offen, erklärte Stefan Berk im SZ-Gespräch. Eine Arbeitsgruppe habe sich dieses Themas angenommen und stelle derzeit konzeptionelle Überlegungen dazu an. „Wir wollen die Wünsche und Ideen der Gemeinden berücksichtigten“, formulierte es der Superintendent. Auf der Herbstsynode wolle die Arbeitsgruppe ihre Ergebnisse präsentieren.

Nach 35 Jahren ist Schluss: Kreiskantor Hartmut Weidt (2. v. r.) wurde am Sonntag in den Ruhestand verabschiedet. Seine Frau Dorothee (r.) sowie Superintendent Stefan Berk und Claudia Latzel-Binder freuten sich mit dem 65-Jährigen. Foto:akm