Abschiedsgottesdienst

„Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; er zog aber seine Straße fröhlich.“ Kurz und schmerzlos ist in der Bibel der Abschied zwischen dem Kämmerer aus Äthiopien und Philippus - einem der sieben Diakone aus der Apostelgeschichte. Obwohl doch Philippus den Kämmerer gerade erst getauft hat. Janine Kimminus hatte sich für ihren letzten Gottesdienst als Vikarin in der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Berleburg genau diesen Text ausgesucht. Genau wie die beiden Gemeindepfarrer Claudia Latzel-Binder und Frank Schröder waren auch ganz viele Presbyter bei Schriftlesung und Gebeten in den Gottesdienst eingebunden, die Predigt hielt jedoch Janine Kimminus, nach ihrer bestandenen Prüfung ab Oktober Pfarrerin im Entsendungsdienst.

Janine markiert ihren Stammplatz

Dabei nahm sie Berleburger Besonderheiten aufs Korn. Etwa die Stammplätze in den Kirchenbänken, deshalb kletterte sie während der Predigt kurzerhand mal von der Kanzel herunter, um auch für sich für künftige Besuche einen eigenen Stammplatz mit einem kleinen selbstklebenden Zettelchen zu markieren. Sie wollte anscheinend noch mal wiederkommen – „auch wenn ihr Wittgensteiner manchmal nicht nur sprachlich schwer zu verstehen seid“, wie sie schmunzelnd einräumte. Rund 80 Leute waren bei dem Dank- und Verabschiedungs-Gottesdienst in der evangelischen Stadtkirche.

 Mütter aus dem Krabbelgottesdienst, den Janine Kimminus ins Leben gerufen hatte, genauso wie Teenager, die sie konfirmiert hatte, und Seniorinnen, die sie in der Frauenhilfe kennengelernt hatte.

Szene aus dem Krabbelgottesdienst
Jugendliche bei der Abschieds-Party
Abschied von Seniorinnen

 Dabei schrieb sie den Berleburgern nochmal ausdrücklich für eine gute Zukunft ins Stammbuch, dass die Gemeinde insbesondere mit ihren Jugendlichen ein Pfund habe, mit dem sie wuchern müsse. Auf die geforderten 20 Minuten für eine gute Predigt kam Janine Kimminus nicht, aber so verschmitzt lächelnd, wie die scheidende Vikarin das anmerkte, war diese Würze in der Kürze womöglich Absicht gewesen. Schlussendlich fiel die Predigt noch etwas kürzer als erwartet aus, weil einer gerührten Janine Kimminus am Ende doch ein bisschen die Stimme brach.

Auf der Kanzel

Für die Gemeinde sprach anschließend in der Kirche Pfarrerin Claudia Latzel-Binder, als Mentorin - also fachkundige Begleiterin auf dem letzten Ausbildungs-Abschnitt - hatte sie den engsten Kontakt zu Janine Kimminus. Vorneweg nannte sie zwei Dinge, die die Vikarin in die Gemeinde gebracht habe: ein großes Lächeln und die Farbe Rosa. Außerdem dankte sie der 30-Jährigen. Denn bei jedem ausbilderlichen Reflektieren mit Janine Kimminus über deren Situationen im kirchlichen Alltag sei das doch für sie auch stets ein Reflektieren über sich selbst und über die Gemeinde gewesen, so Claudia Latzel-Binder. Außer Claudia Latzel-Binder war es eine weitere Handvoll Menschen, die mit einem Segenswort im Chorraum Janine Kimminus auf ihren weiteren Weg verabschiedeten.
Der kürzere weitere Weg führte an diesem Abend zunächst einmal ins Berleburger Christus-Haus, wo sich bei einer Party mit 60er-Jahre-Musik viele Gemeindeglieder persönlich von Janine Kimminus verabschieden wollten. Auch hier waren in den nächsten gut zwei Stunden wieder alle Altersgruppen vertreten, zahlreiche Geschenke konnte die ursprünglich aus Hamm stammende junge Frau zu ihrer nächsten Station auf dem längeren weiteren Lebensweg mitnehmen. Der führt die gar nicht so weit weg, auch an ihrem künftigen Wirkungsort haben die Gemeindeglieder SI am Nummernschild. Seit 1. Oktober ist Janine Kimminus im benachbarten Evangelischen Kirchenkreis Siegen in der Kirchengemeinde Weidenau mit einer 75-Prozent-Stelle als Pfarrerin im Entsendungsdienst. Eine Stelle, auf die sie sich trotz aller Abschieds-Traurigkeit freute. Das sagte sie mit ihrem strahlenden Lächeln, das sie nun den Siegerländern mit in die Gemeinde bringt.