Das sind nur die Besucher des EKvW-Presbytertags, die direkt in Wittgenstein wohnen, zusätzlich machten sich aus den Presbyterien der drei Hochsauerländer Kirchengemeinden im Wittgensteiner Kirchenkreis - Dorlar, Gleidorf und Winterberg - noch Mitglieder der gemeindlichen Leitungsgremien auf den Weg nach Dortmund

 

Presbytertag in Dortmund

Bad Berleburg/Eslohe/Schmallenberg/Winterberg. Sie tragen eine hohe Verantwortung und bringen freiwillig viel Zeit und Energie auf: die rund 5000 Männer und Frauen, die zu den Presbyterien der Gemeinden in der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) gehören. Jetzt kamen an die 500 zum Tag der Presbyterinnen und Presbyter zusammen, rund 20 fuhren aus dem Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein nach Dortmund. Es war ein Tag der Fortbildung, des Austauschs und nicht zuletzt der geistlichen Besinnung und Ermutigung.

Mut machte Annette Kurschus, Präses der EKvW, gleich zum Auftakt in der vollen Reinoldi-Kirche. Sie dankte den Presbytern „für die Kraft, die Zeit und die Gebete, die Sie sich dieses kirchliche Ehrenamt kosten lassen“. Sie ging auf die Erfahrung ein, „dass sich Bewährtes und Gewohntes und Geliebtes nicht einfach festhalten lässt“. Und die Leitende Theologin der EKvW wies auf Jesus Christus hin: „Dieser Jesus ist das Herz Gottes selbst, das bei uns und für uns schlägt, das mit uns und für uns lebt.“

Breit gefächert waren die Themen der 38 Arbeitsgruppen am Nachmittag: Fragen der Leitung unter geistlichen Perspektiven, neue Gemeindeformen, Gottesdienst, Kirche und Geld, religiöse Vielfalt. Wie verändern Flüchtlinge eine Gemeinde? Unter der Überschrift „Unsere Kirche und die neuen Nachbarn“ moderierte Wittgensteins Superintendent Stefan Berk zunächst morgens eine Veranstaltung, die Impulse für die nachmittäglichen Workshops gab. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf Diakonie und Ökumene, wie die Themen der Arbeitsgruppen deutlich machen: Dialogbereitschaft und Unterscheidungsfähigkeit: Ist mein Gott auch dein Gott? Überlegungen zur interreligiösen Begegnung jenseits von Abschottung und Relativismus; Christsein praktisch - gemeindliche Angebote für Menschen auf der Flucht; Singen mit den neuen Nachbarn - mit Liedern aus dem arabischen Kulturraum Zugänge zum Reichtum der orientalischen Christen finden.

Eine wichtige Frage im gemeindlichen Alltag der Gegenwart, die an anderer Stelle thematisiert wurde, lautet: Wie kann Kirche einladend und attraktiv sein? Dazu lieferte Dr. Michael Herbst viele Anregungen. „Wer anziehend sein will, will nicht ‚unter sich‘ bleiben“, sagte der Professor, der an der Universität Greifswald „Praktische Theologie“ lehrt. Wer attraktiv sein will, müsse den Blickwinkel der Menschen einnehmen, die er gewinnen wolle, so Herbst. Und: Er brauche den Mut, Grenzen zu überschreiten. Jesus habe es vorgemacht und sich mit den Verachteten und Randständigen an einen Tisch gesetzt. Herbst: „Keinem wollen wir verschweigen, dass Gnade, ein Leben mit Gott, Anerkennung trotz aller Schuld, Gewissheit ewiger Geborgenheit für ihn bereit liegt, greifbar nah.“ In einigen Arbeitsgruppen zeichnete sich manches ab, was eine Kirchengemeinde anziehend macht. Sie kann sich etwa öffnen für die Zusammenarbeit mit der Kommunalgemeinde, für kulturelle Kooperation, mit örtlichen Musikschulen oder Kunstvereinen, für den Dialog mit der benachbarten Moscheegemeinde. Ein besonderes Beispiel berichtete die Presbyterin Sandra Kopperschläger aus Witten: Dort gibt es regelmäßig Gottesdienste in einer Kneipe. „Wir gehen als Kirche dorthin, wo die Menschen sind“, sagt die Erzieherin. Sie findet es wichtig, ihren Glauben im Alltag zu bekennen.

Entsprechend betonte Oberkirchenrätin Doris Damke im Abschlussgottesdienst: Haupt- und Ehrenamtliche wirken in der Kirche so zusammen, „dass sie aller Welt ein Zeugnis davon geben, wes Geistes Kind sie sind.“ Das segensreiche Zusammenwirken wurde bei der Fahrt der Wittgensteiner nach Dortmund deutlich. Superintendent Stefan Berk war einer der Fahrer der beiden Busse nach Dortmund, den anderen fuhr der Berleburger Presbyter Christian Schneider, der erst im vergangenen Jahr genau für solche Anlässe ein Fahrsicherheitstraining des Kirchenkreis-Fördervereins „Perspektive Zukunft“ absolviert hatte.